Fish´n Chips 1999

 
 

Lange Winternächte, Wetter aus dem man auf See Seemannsgarn spinnt, knurrende Mägen ein Gläschen Wein, die idealen Voraussetzungen um Ideen für einen neuen Segeltörn zu planen. Aber wohin und mit welcher Idee? Heiko und ich saßen zusammen und irgendwann fiel das Wort Fish´n Chips; die Idee war geboren. Nachdem wir in früheren Törns den Kibbeling bereits erfolgreich erobert hatten war nun ein neues Ziel geschaffen.

Angetan von der Idee war die Crew dann auch schnell überredet sich zusammenzuschließen, mitzufahren und dem kalten Regenwetter zu Hause zu entziehen. Auf nach England!

Ausgestattet mit Büchern, Seekarten und Mithilfe unserer befreundeten Argentur zogen wir als aus. Dem Abenteuer Fish´n Chips entgegen, was für Heiko was völlig fremdes war, so er doch noch nie in England gewesen.

Selbstverständlich war die Vorbereitung wesentlich umfangreicher. Fish´n Chips reichen nun mal nicht für einen ganzen Törn, und wie war das noch mit "Der Koch ist der Käpt´n"?

Also legten sich Gottfried und Heiko mächtig in´s Zeug um eine gescheite Speisekarte für Hin- und Rückfahrt auszuarbeiten. Schließlich wollten wir an Bord ja nicht schlechter leben als zu Hause, und ohne Planung nützt der beste Einkauf nichts. Da wir zu unserem eigentlichen Ziel etwas Abwechslung haben wollten, entschieden sich unsere Köche im Vorfeld für die leichte mediterane Küche, italienisch und französisch. 

Die Speisekarte wurde beraten, verfeinert und schließlich für seetauglich befunden. Der Grundstock für ordentliche Verproviantierung war gegeben. Selbst der Vercharterer hat gestaunt, wie viele Lebensmittel in einer nagelneuen Bavaria 36 verstaut werden können, und dann noch das Gepäck für eine 6-köpfige Crew; allerhand. Naja, das Gas müßte reichen, ind los ging es. Erst mal zwei Tage Eingewöhnung auf den Ysselmeer um das Schiff kennenzulernen (gerade mal 20sm alt) und die Pantry auf seetauglichkeit testen.

Und, was am Anfang alle für einen Scherz hielten, mit Familienflasche Sonnenöl nach England aufzubrechen erwies sich als sehr nützlich, denn die Sonne brannte fast den ganzen Törn über. Braungebrannt wie wir zurückkamen, wollte uns das so recht keiner glauben, aber die Fotos überzeugten.

Nachdem wir also zwei Tage später in Den Helder gefrühstückt hatten, ging es an die große Überfahrt. Wachen wurden eingeteilt, das Revier besprochen, die erforderliche Zeit bis zur Ankunft im geplanten Zielhafen abgeschätzt und wieder mal Sonnenöl aufgetragen.

Und wie immer, kurz nach dem Ablegen, der Herd wurde angeschmissen.

Das Wetter zeigte sich auch von seiner besten Seite. NE 4-5, genau wie in der Vorhersage und sollte auch noch ein paar Tage so bleiben. Blieb es auch, so daß wir Great Yarmouth nach 25 Stunden und 130 sm erreichten. Geschafft, fantastisch. 

Die erste Frage beim Hafenmeister war dann auch, wo es hier die besten Fish´n Chips gibt, um unser eigentliches Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Wir wurden fündig und zufrieden. Nach einer aufregenden Nacht mit fahrenden Bohrinseln, jede Menge Schiffsverkehr, leicht zunehmenden Wind und reichlich gutem Essen (selten unter vier Gänge) saßen wir inmitten einer englischen Fischereistadt und labten am essig-getränktem Fisch und Chips. Zeit zur Entspannung und Erholung.

In Lowestoft (10 sm südlich) sei es noch viel schöner, versicherten uns Einheimische, worauf wir unser Quatier kurzfristig wechselten. Die Gezeitenströmung half dabei ganz kräftig, forderte jedoch einiges Geschick am Ruder um in die enge Einfahrt hineinzukommen. Immerhin geht´s hier mit bis zu 3,5 Knoten mal nach Nord, mal nach Süd. Aber kein Problem, Lowestoft Habour Control gab uns grünes Licht und wir staunten, als wir durch die Einfahrt in den Yachthafen fuhren. 

Auf dem imposanten weißen Gebäude stand in großen Lettern "Royal Norfolk and Suffolk Yachtclub", eine völlig andere Atmosphäre als im Fluß an der Kaimauer von Great Yarmouth zu liegen. 

Kurze Überfahrt, langes Kochen, und, im Royal Yachtclub natürlich auch stilvoll. Da stellt sich dann die Crew auch gerne zu einem Gruppenfoto auf.

Noch ein schöner Hafentag, und dann wird´s leider wieder Zeit für die Rückfahrt. Wetterbericht, NE 4-5, 1-2 Tage später drehend auf SW 5. So lange können wir nicht warten und beginnen mit der Kreuz. Beim Anbrechen der Nacht zeigt uns der Kanal, was er kann. Der Wind dreht auf E 5, bringt Nebel mit sich und dann Gewitter mit jede Menge Blitz, Donner und Regen. Kaum nötig zu sagen, daß wir durch ein Verkehrstrennungsgebiet nach dem nächsten kreuzen und die Frachter kaum noch ausmachen können. Umkehren oder weiter. 

Dann wird die Sicht besser, Leuchttonnen sind schon auf 2 sm sichtbar und das Gewitter zieht weiter. Bleibt nur Regen und E 5. 14 Stunden und drei Mahlzeiten sind seit Ablegen vergangen, etwa ein drittel der Strecke zurückgelegt, da schläft der Wind immer mehr ein. Motoren. Aber was ist das, kaum ist der Motor richtig warm, briest es langsam wieder auf. Richtung SW, ansteigend bis auf 5 und 6, später sogar 7. Wieder mal Zeit für eine richtige Mahlzeit, da wir die weitere Reisezeit bei dem Wind deutlich verkürzen können.

Gegen fünf Uhr morgens werden wir dann mit Sonnenaufgang und einem guten Frühstück für die Nacht entschädigt. Noch ein wenig Rauschefahrt und dann taucht Yjmuiden vor uns auf. Industriepanorama, was wir schnell hinter uns lassen wollen. Schnell durch die Schleuse und frisch zubereiteten Dorsch auf den Tisch. So versegeln wir dann eben noch zwei 35 Füßer auf dem Weg nach Amsterdam wo wir uns noch ein Touritag gönnen wollten.

Den Rückweg bis Monnikendam schafften wir dann in der letzten Nach bei fast Flaute, wunderbarer abentlicher Stimmung und etwas Wehmut bei den letzten Mahlzeiten an Bord.

Auf jeden Fall gab es danach die einhellige Meinung, Segeltörns werden nicht nach Seemeilen, sondern nach Kochmützen und Stimmung an Bord bewertet. 

Der nächste Törn:

Nicht ohne meinen Koch!