Segeln auf der Roald Amundsen

 
  Segeln wie vor 100 Jahren, so steht´s auf der Site vom Schiff, Roald Amundsen. Homepage der Roald Amundsen

Das, und Erzählungen von Freunden, die bereits auf dem Schiff mitgesegelt sind , waren für mich Gründe genug, einmal mitzufahren. Törnplan angeschaut, Terminkalender dazugeholt, Törn gebucht. (Kanaren Februar 2001) So einfach ging der Start zu diesem Unternehmen. Dann noch ein paar Tage warten, und ab in den Flieger. Ziel war Santa Cruz auf Tenerifa. Roald Amudsen am KaiNach der langen Busfahrt vom Flughafen sahen wir beim Anflug auf den Busbahnhof bereits zwei grosse Masten im Hafen. Das konnte nur die Roald Amundsen sein. Mit dem Taxi waren wir dann in wenigen Minuten auf dem Schiff. Ein schöner Anblick, mitten zwischen rostigen Frachtern, Fähren und Seglern- die Roald. Aus der Traum, vom Sonntagnachmittagpiratenfilmschauen. Jetzt ist der erste eigene Schritt auf solch einem Segler angesagt.

Auf dem Schiff herrschte betagtes Treiben. Einige vom vorherigen Törn waren bei der Abreise, die Letzten vom neuen Törn bei der Anreise. Fasziniertes Staunen. Das sollte also für die nächsten zwei Wochen mein zuhause werden. Zwar hatte ich schon viele Seemeilen auf See verbracht, doch da waren immer Yachten das schwimmende Domizil. Die Roald bietet jetzt nur ein großes freies Deck mit noch ungeahnten Möglichkeiten im Bauch.

Nach ein paar Blicken über Deck wurden wir schnell von einigen Roald Erfahrenen zu einer kleinen Führung überredet, die Kojen wurden klariert und der Ablauf des ersten Tages wurde erläutert. Überall konnten wir ein wenig Schnuppern, bis dann der Kapitän zur Begrüßung alle neuen - und auch Käpt´n Arnoalten - Segler an Bord versammeln ließ. Creweinweisung: Wachplan, Tagesablauf, Aufgabenteilung, Namen, Namen, Namen. Das dauert schon, bis sich alle Namen eingeprägt haben. Zum Glück gibt´s an Bord nur Vornamen.

Nach der ersten Nacht an Land zum gegenseitigen Beschnuppern ging´s los. Aufstehen, (geweckt wurden wir von Gitarrengesang), Frühstücken, Sicherheitseinweisung und dann ab in die Rahen. Die Alten zeigten den Neuen wie man die Wanten erklettert und in die Rahen übersteigt. Fußpferde sind es, die einen dort tragen.

Beim ersten Aufstieg habe ich noch die Hälfte der Kraft für die Angst gebraucht. Bei jedem Aufstieg wurde jedoch dieser Part kleiner; die Begeisterung des Aufenterns jedoch immer größer.

Dann, Segel setzen und los. Nich einfach, da immerhin an die 150 unterschiedliche Taue bewegt werden müssen. Wo Festmacher, Fallen und Schoten sich noch als geläufige Begriffe im Ohr wiederfinden wird´s bei Gordingen, Geitauen, Brassen, Bram und Begriffswirrwarr schon etwas komplizierter. Zum Glück werden Belegpläne verteilt, Belegplanin denen alle Taue eingezeichnet sind, und schon nach ein paar Tagen steigt die Trefferquote wenn es heisst, "An das Großstengestagfall, klar beim Niederholer".

Um die Seekrankheit zu überwinden starten wir erst mal für drei Tage durch. Pendelverkehr zwischen den Inseln, da uns der Nordostpassat nicht aufkreuzen lässt, bis wir die Hilfe von 300 Pferdestärken in Anspruch nehmen. Nach wenigern Stunden ist aber schon wieder Ruhe im Schiff. Schließlich wollen wir segeln und nicht motoren.

Der erste Landgang bringt dann neue Erkenntnisse zu Tage. Die Insel wackelt, gehen im freien Gelände wird zur Konzentrationsarbeit. Der Boden ist immer ganz wo anders, als man gerade treten will. Aber, hoch oben über den Wolken gibt es freie Sicht auf die umliegende Gegend.

Auffällig ist uns allen die Gelassenheit, mit der wir die Insel erobern. Die paar Tage auf Land haben uns verzaubert. Stress und Hektik von zu Hause sind auf See geblieben. Der Wachrhytmus an Bord und die Aufgabe, das Schiff zu segeln, haben den ganzen Tagesablauf eingenommen. Erholung ist angesagt.

Mit dieser Maßgabe verläuft denn auch der Rest des leider viel zu kurzen Törns. Zwei Wochen vergehen einfach wie im Fluge und sind rum wie nichts, auch wenn wir segeltechnisch voll auf unsere Kosten gekommen sind. Immerhin haben wir praktisch alle Segel kennengelernt, und das sind nicht wenige.

Schon bei dem Rückflug nach Hause stand für mich fest. Bis zum nächsten Törn mit der Roald dauert´s nicht mehr lange.

Mehr Bilder gibt´s in der Fotoshow. Achtung, lange Ladezeit!